Mediakar

Silicon Valley: 10 Sachen, die deutsche Medienbranche dringend verstehen muss

Vor kurzem veröffentlichte Christoph Keese, Executive Vice President bei Axel Springer, das Buch “Silicon Valley”, wo er über seinen sechsmonatigen Aufenthalt in den USA erzählt. Das Buch sollte als “eye opener” für alle dienen, die es noch nicht begriffen haben, dass die Amerikaner uns Jahre voraus sind was den technologischen Fortschritt angeht. Auch die Medienbranche in Deutschland wird extrem darunter leiden. Denn die Techhies in Silicon Valley glauben:

“Aggregation ist gut, weil sie automatisch funktioniert und fast kein Personal braucht, wenn die Programmierung ihrer Arbeit erst einmal abgeschlossen haben. Produktion hingegen ist nicht gut”.

Auch die Produktion der Inhalte aus Sicht der US-Start-ups ist nicht gut – das wird enorme Konsequenzen für die Medienbranche haben. Aus meiner Sicht sind im Buch wichtige Punkte erwähnt, die für die Medien hierzulande extrem relevant sind. Eine Auswahl:

1) Physische Nähe ist enorm wichtig:

Innovation entsteht durch den freien ungehemmten Austausch von Menschen auf kleinstem Raum. Physische Nähe ist so wichtig wie die Abwesenheit allzu strenger Regeln. Persönliche Angelegenheit ist Pflicht, virtuelle Kommunikation verpönt.

2) Strikte Hierarchien gibt es nicht. Jeder kann mit jedem kommunizieren.

Chefs haben Zugang zu Anfängern und Unerfahrenen, und umgekehrt genau so. … Hohe soziale Durchlässigkeit: Selbst Teenager mit außergewöhnlichem Talent werden zu Magnaten vorgelassen.

3) Wir brauchen eine Kultur der Offenheit:

Inspiration ohne Austausch mit den anderen gibt es nicht. Denn bei Computerprogrammen geht es weniger um geniale Erfindungen als um ständiges Feilen an Details.

4) Einstellung zu Arbeit: Make or break

Die Intensität der Arbeit ist sofort spürbar. Die Leute brennen und beuten sich selbst aus, es wird kaum noch zwischen Privatleben und Beruf unterschieden.

5) Technik steht über alles

Techniker, nicht Kaufleute, haben das Sagen. Gemacht wird, was schwierig ist. Je größer die Herausforderung, desto besser.

6) Innovationen in etablierten Unternehmen sind schwierig. Aber machbar.

Dilemma der Innovatoren/ Disruptive vs erhaltende Innovation: Man kann nicht den ganzen Tag darüber nachdenken, wie man seine Stammkunden zufrieden stellt, während man gleichzeitig plant, sich selbst samt den Kunden in die Luft zu sprengen.

Manager in arrivierten Firmen denken in Analogien. Aber das wird zum Ballast, wenn es um Innovationen geht. Denn Experimente bedeuten Risiko. Das Gegenteil analogischen Denkens nennt Musk “proposed principles” – vorgeschlagene Prinzipien – Grundsätze, die aus freiem logischem Denken abgeleitet wurden und nicht auf Erfahrung sondern auf Vernunft beruhen.

7) …dafür muss das Management eingreifen:

Autonomie-Versuchen fruchten nur dann, wenn sich der Vorstandsvorsitzende voll dahinter stellt. Er ist der einzige, der dem Start-up innerhalb des Unternehmens das Geld und die Köpfe zuschieben kann, die es braucht.

8) Etablierte Unternehmen haben eine Chance:

Angreifer von außen sind oft schneller und radikaler. Doch etablierte Unternehmen haben den Vorteil, dass sie ihre Branche besser kennen und genau wissen, wo die Ineffizienzen liegen.

9) Lean Start-up: So muss Produktentwicklung aussehen: (mehr dazu im Buch von Eric Ries)

Konzentration auf das Wesentliche, Verzicht auf unnötige Wege.

Ein gutes Produkt ist etwas anderes als eine gute Idee. Es ist eine Reduktion einer Idee. Die Essenz.

Minimum viable product (MVP): Die Hypothese ist das Produkt, und das Produkt ist die Hypothese. Es geht darum, möglichst rasch ein möglichst gutes Produkt auf den Markt zu bringen. Es muss die Kernfunktion enthalten, mehr nicht. Reduce to the max.

10) Warum sind kalifornische Start-ups so schnell? Drei Faktoren:

Das Prinzip  der feststehenden Zeit durch die Finanzierung in Venture-Capital-Runden.

Das Herausbringen von MVPs und die evolutionäre Weiterentwicklung mithilfe des Publikums.

Eine Professionelle Struktur aus Inkubatoren, die sozialen Austausch untre Gründern erleichtern, Produkte durch interne Kritik verbessern helfen und den Kontakt zu Investoren organisieren.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *