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Interview: Tipps und Tricks rund um Audio-Slideshows

Audio-Slideshows sind ein neues journalistisches Format, das die Möglichkeiten von Foto und Audio kombiniert. In diesem Interview erzählt  Multimedia-Journalist und Dozent Matthias Eberl, wie er auf die Ideen für neue Slideshows kommt, wie die Produktion abläuft, welche Hard- und Software er benutzt und worauf man unbedingt achten muss.

2009 erhieltst du den Deutschen Reporterpreis für deine Audio-Slideshow über die Kneipe X-cess in München. Wie entwickelst du Ideen für deine Slideshows?

Die Themen liegen auf der Straße, sagt man ja immer. Ich habe laufend Ideen, die lege ich in kleinen Textdateien auf dem Rechner ab und dort sammeln sie sich. Das, was mich dann am meisten reizt, das setze ich dann um – das ist das schöne, wenn man Freiberufler ist. Aber es gibt natürlich auch immer wieder Auftragsarbeiten.

Beschreibe bitte einen typischen Verlauf bei Produktion einer Audio-Slideshow.

Das hängt sehr davon ab, wer in der Slideshow spricht. Wenn die Stimme von einem Off-Sprecher, also von einem Moderatoren,  oder von mir als Ich-Erzähler kommt, dann bin ich wie ein normaler Journalist vor Ort, fotografiere, mache Notizen und sammle Eindrücke, teilweise auch in vielen kleinen Interviews. Für manche Themen nehme ich auch Geräusche auf. Erst später wird dann der Text geschrieben und wenn das Thema es zulässt, gehe ich dann auch nochmal nachtäglich für spezielle Fotos raus.

Wenn dagegen der Protagonist erzählt, gibt es immer zwei Möglichkeiten: Entweder zuerst die Fotos machen und dann den Protagonisten am Laptop zu den ausgewählten und sortierten Bilder erzählen lassen. Oder – das ist der klassische Weg für das Portrait – vor Ort das Interview machen (möglichst als Live-Rundgang und nicht am Tisch) und dann auf einem zweiten Termin die passenden Bilder zum bereits geschnittenen Beitrag machen.

Schreibst Du zuerst einen Skript, bevor Du dich mit den Protagonisten triffst?

Nein, das mache ich eigentlich nie. Das sehe ich auch als Vorteil gegenüber dem Film, dass man etwas spontaner Geschichten aufzeichnen kann.

Welches Equipment hast du? Wann benutzst du welches Gerät?

Ich habe eine ganz durchschnittliche Spiegelreflexkamera, eine Canon 30D mit einem 17-70mm Objektiv, das für die meisten Aufnahmen herhalten muss und außerdem eine Festbrennweite von 50mm für dunkle Situationen oder Portraits.

Beim Ton habe ich einen Fostex Fieldrecorder FR-2LE, der unglaublich gute und rauschfreie Aufnahmen macht, und sehr gut während der Aufnahme gepegelt werden kann, weil er wie ein alter Kassettenrecorder umgehängt wird. Außerdem ein Zoom H4n, an das ich im Bedarfsfall eine Funkstrecke mit Ansteckmikro anschließe. Dann hat man weniger Streß vor Ort und die Protagonisten vergessen das Mikro und reden freier. Allerdings hat man etwas mehr Live-Atmosphere, wenn man die Interviews mit dem Hand-Mikro macht – das entscheide ich immer je nach Situation.

Mein Reportagemikro ist der Klassiker von Sennheiser, das MD 421, dass ich auch gerne im Studio zum einsprechen verwende. Dann habe ich immer ein einfaches Stereo-Mikro für Geräusche dabei: Das NT4 von Rode. Außerdem habe ich mir zwei sehr seltsam aussehende Stereo-Rigs mit hochwertigen Kondensatormikrofonen gebaut, mit denen ich Stereo-Raumklang mit Spektraldifferenzen einfange, aber das läuft dann schon eher unter Hobby.

Wie viel Mal triffst du dich in der Regel mit dem Protagonisten?

Wenn es geht, dann zweimal. Entweder ich mache auf dem zweiten Termin die Bilder für den bereits geschnittenen Beitrag, oder ich lassen den Protagonisten zu den Fotos erzählen, die ich beim ersten Termin gemacht habe.

Wie gehst du vor, nachdem du Audio aufgenommen und Fotos gemacht hast?

Wenn der Protagonist erzählt, dann höre zuerst die Aufnahmen durch und notiere auf mehreren Seiten Stichworte und Timecodes, eine Art sehr verkürztes Transskript. Dabei fallen mir meistens schon die Highlights auf. Von denen ausgehend erstelle ich dann den Tonbeitrag. Bei Beiträgen mit Off-Sprecher oder Ich-Erzähler gehe ich dagegen nach dem Termin in die Textarbeit, hier hilft mir oft eine einfache Tabelle, in die ich die Fotos reinschiebe und dann den jeweils passenden Text dazuschreibe.

Bearbeitest Du die Fotos nachher?

Ja, ich mache immer eine grundlegende Farb- und Tonwertkorrektur und bei Bedarf einen Zuschnitt. Das ganze mache ich mit Photoshop, aber man könnte auch mit dem kostenlosen Paint.NET arbeiten.

Mithilfe welcher Software bearbeitest du Audio?

Hier habe ich mit Adobe Audition einen einigermaßen zufriedenstellenden Workflow entwickelt. Was wir als Tonjournalisten brauchen ist in jedem Fall eine Art Schnitteimer, wo wir einzelne Clips aus dem Interview ablegen können und ordentlich beschriften können. Das geht bei Audition leider nur über den Umweg, die markierten Teile zu speichern. Dann ziehe ich die Clips aus der Ablage auf die endgültige Tonspur, wobei das Programm automatisch die Überblendungen machen sollte, wenn die Clips ineinandergeschoben werden. Daher empfehle ich das kostenlose Audacity nicht.

Wie konvertierst du deine fertige Slideshow in ein Video-Format?

Das ist sehr kompliziert, wenn es richtig gut werden soll, dazu habe ich aber einen eigenen Aufsatz geschrieben.

Worauf muss man unbedingt bei der Produktion einer Slideshow achten?

Der wichtigste Punkt ist, dass Bild und Ton gemeinsam eine Geschichte erzählen und nicht jede Ebene ihre eigene Geschichte. Darauf wird immer noch viel zu wenig geachtet, die Hälfte aller Einsendungen für die Kategorie Webreportage beim Deutschen Reporterpreis haben wir in der Vorjury aus diesem Grund negativ bewertet. Man darf auf keinen Fall ein Interview über ein beliebiges Thema an einem Tisch machen und dann irgendwelche Fotos vom Ort dazu kombinieren, auch wenn sie noch so schön sind! Bei jeder Frage muss man sich überlegt haben, ob die Antwort bebildert werden kann. Und die meisten Fotos müssen die Geschichte mittragen, ich muss wenigstens entfernt das Erzählte darin entdecken können.

Für welche Themen sind Slideshows besonders geeignet?

Alle Themen, die bebildert werden können, das ist die einzige Einschränkung. Wenn das nicht klappt, ist ein Videobeitrag mit langen Interviewszenen oder ein Text eventuell besser geeignet. Aber wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, kann man die ganze journalistische Bandbreite, vom sachlichen Erklärstück über das emotionale Portrait und von der lebendigen Reportage bis zum feuilletonistischen Kommentar als Audio-Slideshow erstellen.

Wann ist es besser, einen sogenannten OFF-Sprecher, also die Autornstimme in die Geschichte mit rein zu nehmen? Und wenn soll man lieber den Protagonisten erzählen lassen?

Der Off-Sprecher wirkt oft distanziert und sachlich, er schafft es nicht, spezifische Situationen aus der Nähe zu beobachten und erlebbar zu machen, aber kann in einem Essay, der die Dinge auf der Meta-Ebene kommentiert, eine unglaubliche Interpretationsmacht entfalten und die Fotos mit Gedanken verknüpfen.

Wenn der Protagonist erzählt, ist man natürlich als Rezipient am nähesten dran und zieht viele Informationen aus der Stimme und dem Soziolekt des jeweiligen Menschen. Aber man darf den Ich-Erzähler nicht vergessen! Wenn sich der Journalist oder Fotograf kurz eingeführt hat, muss er nicht von sich reden, sondern er kann sehr lebendige Eindrücke vom Ort des Geschehens schildern, Menschen und Personen beschreiben und erlebte Interviews bequem zusammenfassen. Außerdem kann er Ereignisse beliebig raffen, dehnen oder umorganisieren und so die ganze Macht des Autors zur Gestaltung der Geschichte behalten.

Wie viel Zeit brauchst du für eine komplette Produktion einer Slideshow? 

Zwei bis drei Tage brauche ich eigentlich immer für drei bis fünf Minuten, aber meine letzte Audio-Slideshow hat mich sieben Tage Arbeit gekostet.

Was sind deine Lieblingsslideshows?

Ich mag immer noch die kleine, unauffällige Geschichte über eine Wrestling-Schule von Felix Seuffert sehr gerne, weil sie das optimale Zusammenspiel von Bild, Ton und Geräuschen darstellt. Bemerkenswert ist auch die persönliche Erzählung “I Photograph to Remember” von Pedro Meyer, die zu den ältesten Audio-Slideshows überhaupt gehört. Und eine sehr schöne Geschichte über die Schönheit des Todes, ein tolles Thema für eine Audio-Slideshow, ist Gianni Ciprianos “Where Beauty Softens Your Grief”. 

Das Interview führte Natalia Karbasova

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